![]() |
Alle waren sie da: Heinrich Heine (Besteigung des
Brockens 1824), Goethes Faust (Faust I), die Hexen (beliebter Hexentanzplatz lt.
den Hexenprozessen), die Russen im kalte Krieg (westlichste Horchposten Moskaus,
Tarnnamen: „Jenissej“ und „Urian“), Brocken-Benno (mit mehr als 4.800
Besteigungen im Guinness-Buch der Rekorde) und jetzt auch wir, DIE BLUTBLASEN!
![]() |
| Die Blutblasen der Brockentour |
Wikkipedia hatte uns vorgewarnt: "Der Brocken ist ein Ort extremer Wetterbedingungen. Aufgrund seiner exponierten Lage im Norddeutschlands liegt dessen Gipfel noch oberhalb der natürlichen Baumgrenze. Das Klima auf dem Brocken entspricht aufgrund des kurzen Sommers und sehr langen Winters, der vielen Monate mit geschlossener Schneedecke, den schweren Stürmen und niedrigen Temperaturen selbst im Sommer einer alpinen Lage in 1.600–2.200 m Höhe bzw. dem Klima Islands."
Vom diesen Aussichten quasi herausgefordert brachen wir
am 08.06.2007 auf Richtung Harz, ins wirklich wunderschöne Wernigerode. Die Anfahrt
dauerte von Dortmund aus knapp vier Stunden. Ziemlich geschafft trafen wir uns
daher am Abend in unser Jugendherberge (GPS: N
51° 49.56 / E 10° 45.251). Trotz der langen Fahrt
ließen wir es uns dann aber doch nicht nehmen, das ein oder andere frisch
gezapfte Wanderbier samt der Lokalspezialität "Schierker Feuerstein" (feiner
Kräuterschnaps) in Vorfreude auf den kommenden Tag zu picheln. Zum ersten mal
waren dieses mal zu unserer großen Freude auch Judith, Anna, Tobi, Bruki und
Hannes mit dabei! Tobi, "Das Ding" und dieses mal gleich 24 gut geölten
Blutblase-Stimmen rundeten den Abend musikalisch ab.
Samstags (09.06.) brachen wir dann den Brocken, den
mit 1.141,1 m über NN höchsten Berg Deutschland nördlich der Alpen! Nach einem
ausgiebigem (und wirklich leckrem) Frühstück wanderten wir ab ca. 9:30 Uhr
entlang der "Bielsteinchaussee" Richtung Westen. Nur die arme Nadine mussten wir
leider mit Grippe im Jugendherbergsbett zurück lassen. Das Wetter war mit 27 °C fast schon etwas zu warm um
den Brocken zu erklimmen, aber echte Blutblasen kann ja nur wenig abschrecken
;). Die Vegetation war sehr schön (siehe Bild) und wir kamen im Schatten der
Bäume trotz Hitze gut voran. Kurz vor dem
ersten Anstieg zur Mönchsbuche hatten wir das große Glück Bekanntschaft
mit der "Harzer
Schmalspurbahn" zu machen - einem eigenen Schienennetz für echt-nostalgische
Dampfloks. Und wie bestellt fuhr kurz vor dem Bahnhof Steinerne Renne ein
solches Ungetüm direkt an uns vorbei!
![]() |
| Der erste Anstieg |
Wir erkletterten im Folgenden die ersten 200 Höhenmeter
des Tages mit kurzen Zwischenstop an einer erfrischenden Bergquelle (hat wieder
erwarten kein Durchfall gemacht - also zu empfehlen ;) ) zur besagten
Mönchsbuche. Bis auf den dazugehörigen Wanderpass-Stempel (der sich übrigens
auch bestens an diversen Körperstellen sammeln lässt) machte die Buche zwar
nicht viel her, war aber unser erstes Zwischenziel und damit auf jeden Fall eine
kurze Rast Wert. Von nun an folgten wir dem Oberförster-Koch-Weges entlang des
Gebirgskammes. Auf etwa 580 m Höhe wanderten wir durch eine wirklich schöne
Landschaft dem Brocken entgegen. Schweren Herzens ließen wir die übrigens sehr
einladende Gaststätte "Plessenburg" rechts liegen (bei anderer Zeitplanung wäre
hier eine Pause ebenfalls bestimmt zu empfehlen) und erreichten gegen Mittag -
nach lt. GPS rund 12,5 km - unser nächstes Zwischenziel: Die Ilsefälle
direkt am Fuße des Brockens.
Mehr als 650 Höhenmeter lagen nun noch zwischen uns und
dem Gipfel - Grund genug für eine ausführliche Mittagspause an der Ilse. Am
schattigen Ufer, irekt unterhalb der "Fälle" machten wir es uns gemütlich.
Gestärkt mit Unmengen von Würstchen, Brötchen, Schokoriegeln oder sogar rohem
Speck (Hmmm, wer den wohl gegessen hat?) wollten wir gegen 13:00 aufbrechen als
tiefes Donergrollen das Unheil ankündigte. Schon vorher hatten wir gehört, dass das Klima auf dem
Brocken selbst im Sommer einer alpinen Lage in 1.600–2.200 m Höhe entspricht und
das Wetter in Minuten umschlagen kann. Erste Wandergruppen kehrten dem Brocken
den Rücken - aber jetzt kurz vor dem Ziel aufgeben? Wir stiefelten los (was sollte nach der
Speckstärkung auch schon noch passieren können?)!
Schon nach einer halben Stunde bekamen wir die
Quittung: Wirklich innerhalb von 5 - 10 Minuten verdunkelte sich der Himmel.
Starker Regen und Hagel prasselten auf uns nieder und durchnässten uns trotz
Jacken nahezu komplett. Entlang der Ilse, die kurz unterhalb der Brocken-Spitze
entspringt, wanderten wir stur weiter gen Gipfel ("Bremer Weg"). Der Aufstieg selbst war (auch unabhängig vom
Dauerregen) jedoch nicht wirklich schön. Anstatt eines kleinen schmalen Pfades
wandert man auf einem drei Meter breiten Weg stets bergauf der Brockenspitze
entgegen. Nur an einigen Stellen hatten
wir immerhin recht schöne Natureindrücke durch die rechts von verlaufende und
teilweise komplette von riesigen Steinen abgedeckte Ilse - nur noch erkennbar am
Rauschen des Wassers.
Nachdem wir den Brocken bis auf 900 Meter bestiegen
hatten verließen wir die Ilse (gibt auch nen Stempel ;) ) und stampften weiter
entlang des 10E/11D -Wanderweges. Hier ist Bezeichnung "Wanderweg" jedoch
wirklich übertrieben. Von anderen Brocken-Berichten wussten wir "die letzten
3 km sind eine Schinderei...". Übertrieben? Nein, der Autor hatte wirklich
vollkommen recht! Nicht nur das einem die Steigung (immerhin noch 242 Höhenmeter
auf einer Strecke von drei Kilometern) natürlich ordentlich zusetzt. Viel
frustrierender war, dass wir auf einer geteerten Strasse entlang geführt wurden,
ständig überholt von Kutschen, PKWs, Fahrrädern etc.. Zusammen mit der
durchnässten Kleidung eine fiese Belastung für die arg gestresste
Blutblase-Seele. Aaaaber wir haben es alle
geschafft und gegen 16:00 hatten auch die letzten Blutblasen den Brocken
bestiegen!
![]() |
| Die Blutblasen auf dem Brocken |
Wie bestellt hatten sich Regenwolken und anfänglicher
Nebel verzogen und belohnten uns mit einem wirklich fantastischen Panorama der
Harz. Spätestes nach dem zweiten Radler in 1142 m Höhe waren Schmerzen und
Strapazen vergessen und wir genossen nach mehr als 20 km Wanderung und insgesamt
900 (!) Höhenmetern unsere Stunde auf dem Brocken. Virág und Kai wagten sogar
den respektablen Rückmarsch mit weiteren mehr als 13 km nach Wernigerode. Die
restliche Blutblase-Gruppe fuhr hingegen mit der Dampflok! Trotz der recht
langen Fahrt (1:45 h) war die Fahrt mit der Harzer Schmalspurbahn ein wirklich
grandioses Erlebnis und absolut kurzweilig. Wir hatten direkt hinter der Lok
einen eigenen nostalgischen Wagon nur für uns und die Streckenführung direkt
durch den Nationalpark Harz überraschte uns mit wirklich schönen
Landschaftsausblicken immer wieder auf neue.
![]() |
| Die Harzer Schmalspurbahn |
Vom Bahnhof Wernigerode-Hasserode ging es dann noch in
15 Minuten Fußmarsch zurück zur DJH Wernigerode in der abends im Innenhof der
Jugendherberge lecker gegrillt wurde.
Zusammen mit Nadine und ab ca. 21:00 Uhr auch Kai und
Virág (wohlbehalten aber völlig erschöpft nun ebenfalls zurück) tranken wir
einige Runden auf den Brocken: Groß, hässlich und gemein aber wir haben ihn
geknackt! Tobi spielte grandios Gitarre und mit einigen Bierchen und
Schnäpsen verbrachten wir einen wundervollen Abend und genossen unseren Erfolg.
Kaum zu glauben, aber beim ersten ungarischen Song leuchteten plötzlich die
Augen einer Frau am Nachbarstisch auf- die Ungarn sind immer und
überall!
![]() |
| Abends in der DJH |
Am
nächsten morgen machte sich ein Teil der Gruppe nach gemeinsamen Frühstück auf
den Rückweg. 12 Blutblasen erkundeten hingegen noch den Ort Wernigerode. Als
erstes besuchten wir das Schloss Wernigerode dessen Geschichte bis ins 12. Jahrhundert
zurück reicht. Es ist komplett restauriert und absolut sehenswert! Einziges
Problem: Der Burgberg... aber was macht man nicht alles ;). Lohnen tut sich der
anstieg auch mit Brocken-Schmerzen im Bein allemal! Danach erkundeten wir die
Innenstadt Wernigerodes - ebenfalls wunderschön restauriert. Bei leckrem Eis und
strahlendem Sonnenschein schlabberten wir ein Eis (u.a. stilecht den
"Wernigerode Becher") mit Blick auf das Rathaus - Abschluss eines fantastischen
Blutblase-Wochenendes in der Harz!
Fazit: Die Harz ist toll, wenn auch aus dem
Ruhrgebiet etwas weit entfernt. Aber als echter Wanderer muss man den Brocken
einfach einmal bezwungen haben. Viel Erfolg dabei!
![]() |
| In Werningerode |











Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen