Blutblase englisch (oder doch nur medium?)
Wunderbarer England-Bericht mit
vier Wander-Touren auf der Insel von Judith &
Sven
Im Sommer 2005 machten wir zwei Wochen
Urlaub auf der Großen Insel, um Mittelengland mit Hilfe von Mietwagen und zu Fuß
kennen zu lernen. In der ersten Woche schlugen wir uns in unserem gemieteten
Smart (Forfour! „Oh, what a cute little car!“) von London aus über Windsor,
Oxford, Stratford-upon-Avon, Warwick bis nach Nottingham durch. In der zweiten
Woche war der Peak Distric –Nationalpark unser Ziel, bevor wir wieder von
Liverpool aus nach Hause fliegen wollten.
Der Peak District –Nationalpark
ist der älteste Nationalpark Großbritanniens und liegt zwischen den großen
Siedlungs- und Industriegebieten Manchester und Sheffield in der Grafschaft
Derbyshire. Der Park ist ca. 550 mi² groß und beinhaltet zwei sehr
unterschiedliche Landschaften: Den White Peak im Süden mit sanften Hügeln,
hellen Kalksteinfelsen und viel Weideland und den Dark bzw. High Peak im Norden,
der durch karge Hochmoore, Heidelandschaften und schroffe, dunkle Felsen geprägt
wird. Die Bezeichnung „Peak“ hat allerdings nicht viel mit echten Bergen zu tun,
die höchsten Erhebungen liegen gerade mal um die 600 m ü. NN.
Um es vorweg zu nehmen: eine
echte Blutblase haben wir uns auf diesen Touren (leider?) nicht eingefangen.
Gelohnt haben sie sich trotzdem: die Landschaft ist beeindruckend, wie man auf
den Fotos hoffentlich einigermaßen gut erkennen kann. Im Folgenden versuche ich,
die Touren so gut es geht zu beschreiben, da wir leider keine vernünftige Karte
benutzt haben (siehe Erklärungen am Ende), Fixpunkte (Längen-/Breitengrade) sind
– soweit nach Luftbildern möglich – Google Earth entnommen:
1. Tour (Youlgreave; ca. 2,5 h):
Wieder am Fuß der Formation
angekommen überquerten wir Richtung Osten den Wirtschaftsweg und die Wiese. Nach
kurzer Strecke erreichten wir ein felsiges und mit Büschen bewachsenes Terrain,
das wir über Trampelpfade durchquerten, um schließlich an einer steil
abfallenden Felswand anzukommen, von der aus man einen tollen Blick nach Osten
(?) hatte. Wir wandten und nach links und gingen am Rand des Felsplateaus
weiter. Kurz darauf stießen wir auf den Limestone Way (ein Fernwanderweg) und
folgten ihm Richtung Youlgreave. An der nächsten Straße verließen wir den Weg
und wandten uns nach rechts in Richtung auf das Dorf zu. Dort angekommen,
wanderten wir am River Bradford entlang Richtung Westen. Nach ca. 2,5 – 3 km (am
Ende des Waldes) zweigte links ein Trampelpfad über die Wiese ab, der uns zurück
zur Farm führte. Dort wartete schon das – mangels Gaskocher – kalte Abendessen
auf uns: Englische Matschbrötchen mit Thunfisch, Ketchup und Käse. Lecker!
2. Tour (Stoney Middleton; ca. 3,5 h):
Wir starteten in Curbar
(Ca.(!): 53°15'58.99"N / 1°37'51.09"W) und gingen die Bergstraße und
später einen der üblichen Trampelpfade hinauf auf die Passhöhe (53°16'6.61"N /
1°36'35.05"W) besagter Straße. Vor uns
breitete sich eine riesige Hochmoor-Landschaft auf dem Bergplateau aus: das Big
Moor.
Wir wandten uns zunächst nach
rechts (süd-östlich) um an der Felskante entlang ca. einen Kilometer bis zu
einem allein stehenden Felsmonument („Wellington’s Monument“) und zum Ende der
Kante zu wandern.
Im Ort angekommen, suchten wir
den River Derwent und liefen über den Fußweg an seinem Ufer (bzw. in der Nähe)
in südlicher Richtung zurück nach Curbar / Stoney Middleton.
Nach kurzer Erholungspause am
Zelt gingen wir dann nach Stoney Middleton -„Zentrum“ um dort in einem
gemütlichen Pub den Tag mit einem leckeren (und warmen) Essen zu
beschließen.
3. Tour (Castelton; ca. 4 h):
Wir besichtigten morgens die
Burgruine Peveril Castle oberhalb von Castleton. Fazit: Man zahlt selbst als
Student schlappe 3 € an den English Heritage Found, um sich Mauerreste und einen
einzelnen halbwegs erhaltenen Turm anzusehen. Großartig war höchstens die
Aussicht, aber die gibt’s woanders gratis. Ein Euro in die Spendenbox (wie in
Deutschland bei Ruinen solcher Größe üblich) hätte wohl ausgereicht.
Naja...
Als echte Wanderer wählten wir
natürlich nicht den Fußweg an der Straße, sondern wandten uns dort nach rechts,
um den steilen Fußweg auf dem Kamm zu nehmen. Nach einem recht anstrengenden
Aufstieg erreichten wir das Plateau oberhalb von Castleton (53°20'32.01"N /
1°47'58.76"W). Wir wandten uns nach rechts (Norden) und wanderten (ca. 800 m)
quer über die Wiesen auf den Berg Mam Tor zu.
Vom Bergrücken aus hat man
einen tollen Blick über das Hope Valley und Castelton im Süden/Südwesten, sowie
über das Edale Valley, das Edale-Hochmoor und das Kinder Scout –Plateau im
Norden/Nordosten. Die Besteigung des Lose Hill ersparten wir uns jedoch und
nahmen stattdessen bei Erreichen des Waldstückes unterhalb des Gipfels den
unteren Weg (53°21'38.27"N / 1°47'3.76"W), der uns durch den Bergwald und
über Schaf- und Kuhweiden zu einem anderen Weg führte, der sich Richtung Süden
ins Tal schlängelte (Hinweisschilder: Castleton).
An Bauernhöfen vorbei
erreichten wir die Landstraße A6187 in Höhe des Ortseingangs von Castleton.
Abends gab es wieder ein vorzügliches Mahl in Form von
5-Minuten-Nudelfertiggerichten. Schmackofatz!
4. Tour (Derwent / Howden Reservoir; ca.
6,5 h / 19 km):
Kurz vor dem Center
(53°23'52.99"N / 1°44'29.56"W) parkten
wir am Straßenrand (weil gratis), gingen zum Center und studierten kurz die
ausgehängte Wanderkarte. Dann machten wir uns auf den Weg um den Stausee herum.
Zunächst kreuzten wir von den Info-Hütten aus die Wiese vor der
Derwent-Staumauer und erreichten über eine Treppe den gegenüberliegenden, gut
ausgebauten Rundwanderweg. Nach ca. 3,5 km passierten wir die nächste Staustufe
(Howden Reservoir), und nach weiteren ca. 3,5 km erreichten wir den Zulauf des
River Derwent.
Direkt hinter der Brücke über
den Zulauf des River Westend (53°25'53.17"N / 1°46'5.59"W) verließen wir die
Straße und bogen nach rechts (Osten) in den Wald ein. Wir folgten einem steil
ansteigenden Waldweg bis auf ein Hochmoorplateau (Birchinlee und Rowlee
Pasture), das von zahlreichen (trockenen) Wasserläufen zerklüftet war. Auf dem
weichen, federnden Torfboden zu wandern, war mal was ganz neues!
Immer weiter geradeaus laufend,
erreichten wir nach ca. 1,8 km den Rand des Plateaus. Dort stießen wir auf einen
Trampelpfad, dem wir nach links, an der Kante des Plateaus entlang, ca. 3,5 km
folgten.
Nach 900 m zweigte nach links
ein Schotterweg in den Wald ab (53°23'35.91"N / 1°44'41.55"W). Dieser führte
nach einer Rechtskurve hinunter zur Ladybower-Stausstufe (ca. 1,2 km). Unten
angekommen, überquerten wir die Zubringerstraße des Info-Centers und liefen nach
links zwischen Straße und Stausee ca. 900 m zurück zum Parkplatz unseres Wagens.
Was es an diesem Abend zu Essen gab, habe ich vergessen (verdrängt?). Ist
vielleicht auch besser so. Wahrscheinlich waren’s englische Matschbrötchen mit
Ketchup, Käse und Thunfisch…
Als frischgebackene Blutblase-Mitglieder wollen wir natürlich auch
unseren Teil zu den Tour-Berichten beisteuern. Da es sich um längere
Spaziergänge bzw. Halbtagestouren handelte, die wir mit „Hilfe“ einer
Touristen-Karte im Maßstab 1:100.000 und Tipps Einheimischer mehr oder weniger
„ins Blaue hinein“ starteten, habe ich im Nachhinein versucht, annährende
km-Angaben und die Längen- und Breitengrade markanter Fixpunkte zu
ermitteln.
Die Zeitangaben beziehen sich auf ein
mittleres Wander-Tempo inklusive der üblichen Pausen. Wir bedauern diese
Unprofessionalität und geloben Besserung! Trotzdem wünschen wir viel Spaß beim Nachwandern
(erstens haben wir den Weg zurück ja auch gefunden und zweitens ist England ja
nicht die menschenleere Wüste Gobi… ;-) )!
Sven & Judith

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