Montag, 12. Dezember 2011

Blutblase-Spezial II - Wandern in England



Blutblase englisch (oder doch nur medium?)
Wunderbarer England-Bericht mit vier Wander-Touren auf der Insel von Judith & Sven

Im Sommer 2005 machten wir zwei Wochen Urlaub auf der Großen Insel, um Mittelengland mit Hilfe von Mietwagen und zu Fuß kennen zu lernen. In der ersten Woche schlugen wir uns in unserem gemieteten Smart (Forfour! „Oh, what a cute little car!“) von London aus über Windsor, Oxford, Stratford-upon-Avon, Warwick bis nach Nottingham durch. In der zweiten Woche war der Peak Distric –Nationalpark unser Ziel, bevor wir wieder von Liverpool aus nach Hause fliegen wollten.


Der Peak District –Nationalpark ist der älteste Nationalpark Großbritanniens und liegt zwischen den großen Siedlungs- und Industriegebieten Manchester und Sheffield in der Grafschaft Derbyshire. Der Park ist ca. 550 mi² groß und beinhaltet zwei sehr unterschiedliche Landschaften: Den White Peak im Süden mit sanften Hügeln, hellen Kalksteinfelsen und viel Weideland und den Dark bzw. High Peak im Norden, der durch karge Hochmoore, Heidelandschaften und schroffe, dunkle Felsen geprägt wird. Die Bezeichnung „Peak“ hat allerdings nicht viel mit echten Bergen zu tun, die höchsten Erhebungen liegen gerade mal um die 600 m ü. NN.

Um es vorweg zu nehmen: eine echte Blutblase haben wir uns auf diesen Touren (leider?) nicht eingefangen. Gelohnt haben sie sich trotzdem: die Landschaft ist beeindruckend, wie man auf den Fotos hoffentlich einigermaßen gut erkennen kann. Im Folgenden versuche ich, die Touren so gut es geht zu beschreiben, da wir leider keine vernünftige Karte benutzt haben (siehe Erklärungen am Ende), Fixpunkte (Längen-/Breitengrade) sind – soweit nach Luftbildern möglich – Google Earth entnommen:



1. Tour (Youlgreave; ca. 2,5 h):

Hierzu kann ich leider gar keine genauen Angaben machen, da wir von unserem schnuckeligen Zeltplatz vor einem alten Farmhaus (Caravan-Dorf südlich von Youlgreave/Bakewell) einfach mittags loszogen, um die Gegend ein bisschen zu erkunden. Hinter besagter Farm (53°9'54.09"N / 1°41'40.38"W) schlängelt sich ein Trampelpfad („public footpath“) über Weideland den Hügel hinauf, wobei wir einige der typischen Steinhecken übersteigen mussten. Oben auf dem Hügelplateau angekommen sahen wir in einiger Entfernung (süd-östlich) eine Felsformation aus dem Plateau aufragen. Wir liefen den Trampelpfad weiter in Richtung auf diese Felsen, wobei wir eine Straße querten. Schließlich gelangten wir zu einer weiteren schmalen Straße (Wirtschaftsweg), an welcher der Weg endete. Also wandten wir uns nach links und gingen auf der Straße weiter. (In Wirklichkeit sind wir natürlich zuerst rechts weiter gelaufen, da man die Felsen wegen eines kleinen Hügels von dort nicht mehr sehen konnte, und wir somit eine 50:50-Chance hatten. Die halbe Stunde Umweg verschweigen wir natürlich…) Nach wenigen hundert Metern war zu unserer Rechten die Formation wieder zu sehen und wir mussten nur noch über eine Wiese gehen. Dann kraxelten wir auf die Felsen hoch, um von dort einen tollen Blick über die umliegende Landschaft zu genießen.

Wieder am Fuß der Formation angekommen überquerten wir Richtung Osten den Wirtschaftsweg und die Wiese. Nach kurzer Strecke erreichten wir ein felsiges und mit Büschen bewachsenes Terrain, das wir über Trampelpfade durchquerten, um schließlich an einer steil abfallenden Felswand anzukommen, von der aus man einen tollen Blick nach Osten (?) hatte. Wir wandten und nach links und gingen am Rand des Felsplateaus weiter. Kurz darauf stießen wir auf den Limestone Way (ein Fernwanderweg) und folgten ihm Richtung Youlgreave. An der nächsten Straße verließen wir den Weg und wandten uns nach rechts in Richtung auf das Dorf zu. Dort angekommen, wanderten wir am River Bradford entlang Richtung Westen. Nach ca. 2,5 – 3 km (am Ende des Waldes) zweigte links ein Trampelpfad über die Wiese ab, der uns zurück zur Farm führte. Dort wartete schon das – mangels Gaskocher – kalte Abendessen auf uns: Englische Matschbrötchen mit Thunfisch, Ketchup und Käse. Lecker!



2. Tour (Stoney Middleton; ca. 3,5 h):

Am zweiten Tag führte uns der Weg nach Stoney Middleton, wo wir wiederum auf einem beschaulichen Privat-Zeltplatz vor einem Farmhaus unser Lager aufschlugen. Nach einem Plausch mit der Bäuerin inklusive Wander-Tipps machten wir uns auf den Weg, um den steilen Hügel mit der Felskrone zu erkunden, der über dem Fluss hinter dem Hof in breiter Front aufragte.

Wir starteten in Curbar (Ca.(!): 53°15'58.99"N / 1°37'51.09"W) und gingen die Bergstraße und später einen der üblichen Trampelpfade hinauf auf die Passhöhe (53°16'6.61"N / 1°36'35.05"W) besagter Straße. Vor uns breitete sich eine riesige Hochmoor-Landschaft auf dem Bergplateau aus: das Big Moor.

Wir wandten uns zunächst nach rechts (süd-östlich) um an der Felskante entlang ca. einen Kilometer bis zu einem allein stehenden Felsmonument („Wellington’s Monument“) und zum Ende der Kante zu wandern.

Von dort gingen wir in einem weiten Bogen durch die Heide zur Passstraße zurück, um anschließend in nordwestlicher Richtung am Grat entlang zu wandern. Nach ca. 2,5 km überquerten wir die Landstraße A652 und stiegen durch den dichten und abwechslungsreichen Wald hinab in Richtung Grindleford.

Im Ort angekommen, suchten wir den River Derwent und liefen über den Fußweg an seinem Ufer (bzw. in der Nähe) in südlicher Richtung zurück nach Curbar / Stoney Middleton.

Nach kurzer Erholungspause am Zelt gingen wir dann nach Stoney Middleton -„Zentrum“ um dort in einem gemütlichen Pub den Tag mit einem leckeren (und warmen) Essen zu beschließen.





3. Tour (Castelton; ca. 4 h):

In Castleton (am Ende des Hope Valley) und vor allem im benachbarten Edale Vale erlebt man den Dark Peak: trotz der geringen Höhe fühlt man sich teilweise nicht wie im Mittelgebirge, sondern eher wie oberhalb der Baumgrenze im Hochgebirge: karge Grasflächen, vereinzelte Krüppelkiefern und ordentlicher Wind!

Wir besichtigten morgens die Burgruine Peveril Castle oberhalb von Castleton. Fazit: Man zahlt selbst als Student schlappe 3 € an den English Heritage Found, um sich Mauerreste und einen einzelnen halbwegs erhaltenen Turm anzusehen. Großartig war höchstens die Aussicht, aber die gibt’s woanders gratis. Ein Euro in die Spendenbox (wie in Deutschland bei Ruinen solcher Größe üblich) hätte wohl ausgereicht. Naja...



Gegen Mittag starteten wir dann zu einem Höhenrundgang um Casteleton. Ausgehend vom Touristen-Parkplatz hinterm Ort (53°20'34.73"N / 1°46'46.58"W) geht es ca. 900m die Straße entlang (links halten!) bis zum Beginn des Passweges („Winnats“), der in einer von Felsen flankierten Scharte ansteigt.

Als echte Wanderer wählten wir natürlich nicht den Fußweg an der Straße, sondern wandten uns dort nach rechts, um den steilen Fußweg auf dem Kamm zu nehmen. Nach einem recht anstrengenden Aufstieg erreichten wir das Plateau oberhalb von Castleton (53°20'32.01"N / 1°47'58.76"W). Wir wandten uns nach rechts (Norden) und wanderten (ca. 800 m) quer über die Wiesen auf den Berg Mam Tor zu.



Vom Fuß dieser Erhebung (Parkplatz Mam Tor: 53°20'51.76"N / 1°48'13.14"W) ging es wieder relativ steil dem Gipfel entgegen. Dort kann man die Reste einer eisenzeitlichen Wallanlage erkennen, die sich wie ein Ring um den Gipfel zieht. Vom Gipfel des Mam Tor führt ein Weg über einen langgezogen Bergrücken (Lose Hill Ridge; ca. 3 km) hinüber zum nordöstlich gelegenen Lose Hill (53°21'53.88"N / 1°46'18.70"W).

Vom Bergrücken aus hat man einen tollen Blick über das Hope Valley und Castelton im Süden/Südwesten, sowie über das Edale Valley, das Edale-Hochmoor und das Kinder Scout –Plateau im Norden/Nordosten. Die Besteigung des Lose Hill ersparten wir uns jedoch und nahmen stattdessen bei Erreichen des Waldstückes unterhalb des Gipfels den unteren Weg (53°21'38.27"N / 1°47'3.76"W), der uns durch den Bergwald und über Schaf- und Kuhweiden zu einem anderen Weg führte, der sich Richtung Süden ins Tal schlängelte (Hinweisschilder: Castleton).

An Bauernhöfen vorbei erreichten wir die Landstraße A6187 in Höhe des Ortseingangs von Castleton. Abends gab es wieder ein vorzügliches Mahl in Form von 5-Minuten-Nudelfertiggerichten. Schmackofatz!




4. Tour (Derwent / Howden Reservoir; ca. 6,5 h / 19 km):

Für unsere letzte Tour hatten wir uns auf der Karte zufällig die Stauseen nördlich des Edale-Tales ausgesucht. Am Ladybower-Stausee angekommen, fiel unser Blick auf ein Hinweisschild, das uns zum dortigen National Park–Informationscenter unterhalb der Staumauer des Derwent Reservoirs führte.

Kurz vor dem Center (53°23'52.99"N / 1°44'29.56"W) parkten wir am Straßenrand (weil gratis), gingen zum Center und studierten kurz die ausgehängte Wanderkarte. Dann machten wir uns auf den Weg um den Stausee herum. Zunächst kreuzten wir von den Info-Hütten aus die Wiese vor der Derwent-Staumauer und erreichten über eine Treppe den gegenüberliegenden, gut ausgebauten Rundwanderweg. Nach ca. 3,5 km passierten wir die nächste Staustufe (Howden Reservoir), und nach weiteren ca. 3,5 km erreichten wir den Zulauf des River Derwent.

Dort machten wir eine kurze Mittagspause, um anschleißend den Oberlauf des Flusses (Baches?) über eine steinerne Brücke (53°27'9.29"N / 1°44'47.93"W) zu überqueren. Auf der anderen Seite führte der Schotterweg und später eine Straße zurück Richtung Süden (ca. 3,4 km).

Direkt hinter der Brücke über den Zulauf des River Westend (53°25'53.17"N / 1°46'5.59"W) verließen wir die Straße und bogen nach rechts (Osten) in den Wald ein. Wir folgten einem steil ansteigenden Waldweg bis auf ein Hochmoorplateau (Birchinlee und Rowlee Pasture), das von zahlreichen (trockenen) Wasserläufen zerklüftet war. Auf dem weichen, federnden Torfboden zu wandern, war mal was ganz neues!

Immer weiter geradeaus laufend, erreichten wir nach ca. 1,8 km den Rand des Plateaus. Dort stießen wir auf einen Trampelpfad, dem wir nach links, an der Kante des Plateaus entlang, ca. 3,5 km folgten.

Wir erreichten einen weiteren Wirtschaftsweg (53°23'52.97"N / 1°45'19.79"W), den wir überquerten, und liefen am Waldrand entlang weiter geradeaus auf einem der ausgeschilderten Spazierwege (Broschüre am Info-Center erhältlich, s.o.).

Nach 900 m zweigte nach links ein Schotterweg in den Wald ab (53°23'35.91"N / 1°44'41.55"W). Dieser führte nach einer Rechtskurve hinunter zur Ladybower-Stausstufe (ca. 1,2 km). Unten angekommen, überquerten wir die Zubringerstraße des Info-Centers und liefen nach links zwischen Straße und Stausee ca. 900 m zurück zum Parkplatz unseres Wagens. Was es an diesem Abend zu Essen gab, habe ich vergessen (verdrängt?). Ist vielleicht auch besser so. Wahrscheinlich waren’s englische Matschbrötchen mit Ketchup, Käse und Thunfisch…


Als frischgebackene Blutblase-Mitglieder wollen wir natürlich auch unseren Teil zu den Tour-Berichten beisteuern. Da es sich um längere Spaziergänge bzw. Halbtagestouren handelte, die wir mit „Hilfe“ einer Touristen-Karte im Maßstab 1:100.000 und Tipps Einheimischer mehr oder weniger „ins Blaue hinein“ starteten, habe ich im Nachhinein versucht, annährende km-Angaben und die Längen- und Breitengrade markanter Fixpunkte zu ermitteln.

Die Zeitangaben beziehen sich auf ein mittleres Wander-Tempo inklusive der üblichen Pausen. Wir bedauern diese Unprofessionalität und geloben Besserung! Trotzdem wünschen wir viel Spaß beim Nachwandern (erstens haben wir den Weg zurück ja auch gefunden und zweitens ist England ja nicht die menschenleere Wüste Gobi… ;-) )!



Sven & Judith

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