Montag, 12. Dezember 2011

11. BlutblaseTour - Der Brocken


Alle waren sie da: Heinrich Heine (Besteigung des Brockens 1824), Goethes Faust (Faust I), die Hexen (beliebter Hexentanzplatz lt. den Hexenprozessen), die Russen im kalte Krieg (westlichste Horchposten Moskaus, Tarnnamen: „Jenissej“ und „Urian“), Brocken-Benno (mit mehr als 4.800 Besteigungen im Guinness-Buch der Rekorde) und jetzt auch wir, DIE BLUTBLASEN!
Die Blutblasen der Brockentour

Wikkipedia hatte uns vorgewarnt: "Der Brocken ist ein Ort extremer Wetterbedingungen. Aufgrund seiner exponierten Lage im Norddeutschlands liegt dessen Gipfel noch oberhalb der natürlichen Baumgrenze. Das Klima auf dem Brocken entspricht aufgrund des kurzen Sommers und sehr langen Winters, der vielen Monate mit geschlossener Schneedecke, den schweren Stürmen und niedrigen Temperaturen selbst im Sommer einer alpinen Lage in 1.600–2.200 m Höhe bzw. dem Klima Islands."

Virág und das Harzgebirge



Vom diesen Aussichten quasi herausgefordert brachen wir am 08.06.2007 auf Richtung Harz, ins wirklich wunderschöne Wernigerode. Die Anfahrt dauerte von Dortmund aus knapp vier Stunden. Ziemlich geschafft trafen wir uns daher am Abend in unser Jugendherberge (GPS: N 51° 49.56 / E 10°45.251). Trotz der langen Fahrt ließen wir es uns dann aber doch nicht nehmen, das ein oder andere frisch gezapfte Wanderbier samt der Lokalspezialität "Schierker Feuerstein" (feiner Kräuterschnaps) in Vorfreude auf den kommenden Tag zu picheln. Zum ersten mal waren dieses mal zu unserer großen Freude auch Judith, Anna, Tobi, Bruki und Hannes mit dabei! Tobi, "Das Ding" und dieses mal gleich 24 gut geölten Blutblase-Stimmen rundeten den Abend musikalisch ab.


Sven on Tour


Samstags (09.06.) brachen wir dann den Brocken, den mit 1.141,1 m über NN höchsten Berg Deutschland nördlich der Alpen! Nach einem ausgiebigem (und wirklich leckrem) Frühstück wanderten wir ab ca. 9:30 Uhr entlang der "Bielsteinchaussee" Richtung Westen. Nur die arme Nadine mussten wir leider mit Grippe im Jugendherbergsbett zurück lassen. Das Wetter war mit 27 °C fast schon etwas zu warm um den Brocken zu erklimmen, aber echte Blutblasen kann ja nur wenig abschrecken ;). Die Vegetation war sehr schön (siehe Bild) und wir kamen im Schatten der Bäume trotz Hitze gut voran. Kurz vor dem ersten Anstieg zur Mönchsbuche hatten wir das große Glück Bekanntschaft mit der "Harzer Schmalspurbahn" zu machen - einem eigenen Schienennetz für echt-nostalgische Dampfloks. Und wie bestellt fuhr kurz vor dem Bahnhof Steinerne Renne ein solches Ungetüm direkt an uns vorbei!
Der erste Anstieg



Wir erkletterten im Folgenden die ersten 200 Höhenmeter des Tages mit kurzen Zwischenstop an einer erfrischenden Bergquelle (hat wieder erwarten kein Durchfall gemacht - also zu empfehlen ;) ) zur besagten Mönchsbuche. Bis auf den dazugehörigen Wanderpass-Stempel (der sich übrigens auch bestens an diversen Körperstellen sammeln lässt) machte die Buche zwar nicht viel her, war aber unser erstes Zwischenziel und damit auf jeden Fall eine kurze Rast Wert. Von nun an folgten wir dem Oberförster-Koch-Weges entlang des Gebirgskammes. Auf etwa 580 m Höhe wanderten wir durch eine wirklich schöne Landschaft dem Brocken entgegen. Schweren Herzens ließen wir die übrigens sehr einladende Gaststätte "Plessenburg" rechts liegen (bei anderer Zeitplanung wäre hier eine Pause ebenfalls bestimmt zu empfehlen) und erreichten gegen Mittag - nach lt. GPS rund 12,5 km - unser nächstes Zwischenziel: Die Ilsefälle direkt am Fuße des Brockens.



Pause an der Ilse


Mehr als 650 Höhenmeter lagen nun noch zwischen uns und dem Gipfel - Grund genug für eine ausführliche Mittagspause an der Ilse. Am schattigen Ufer, irekt unterhalb der "Fälle" machten wir es uns gemütlich. Gestärkt mit Unmengen von Würstchen, Brötchen, Schokoriegeln oder sogar rohem Speck (Hmmm, wer den wohl gegessen hat?) wollten wir gegen 13:00 aufbrechen als tiefes Donergrollen das Unheil ankündigte. Schon vorher hatten wir gehört, dass das Klima auf dem Brocken selbst im Sommer einer alpinen Lage in 1.600–2.200 m Höhe entspricht und das Wetter in Minuten umschlagen kann. Erste Wandergruppen kehrten dem Brocken den Rücken - aber jetzt kurz vor dem Ziel aufgeben? Wir stiefelten los (was sollte nach der Speckstärkung auch schon noch passieren können?)!

Björn , Jana & Hannes im Brockenwetter


Schon nach einer halben Stunde bekamen wir die Quittung: Wirklich innerhalb von 5 - 10 Minuten verdunkelte sich der Himmel. Starker Regen und Hagel prasselten auf uns nieder und durchnässten uns trotz Jacken nahezu komplett. Entlang der Ilse, die kurz unterhalb der Brocken-Spitze entspringt, wanderten wir stur weiter gen Gipfel ("Bremer Weg"). Der Aufstieg selbst war (auch unabhängig vom Dauerregen) jedoch nicht wirklich schön. Anstatt eines kleinen schmalen Pfades wandert man auf einem drei Meter breiten Weg stets bergauf der Brockenspitze entgegen. Nur an einigen Stellen hatten wir immerhin recht schöne Natureindrücke durch die rechts von verlaufende und teilweise komplette von riesigen Steinen abgedeckte Ilse - nur noch erkennbar am Rauschen des Wassers.



Nachdem wir den Brocken bis auf 900 Meter bestiegen hatten verließen wir die Ilse (gibt auch nen Stempel ;) ) und stampften weiter entlang des 10E/11D -Wanderweges. Hier ist Bezeichnung "Wanderweg" jedoch wirklich übertrieben. Von anderen Brocken-Berichten wussten wir "die letzten 3 km sind eine Schinderei...". Übertrieben? Nein, der Autor hatte wirklich vollkommen recht! Nicht nur das einem die Steigung (immerhin noch 242 Höhenmeter auf einer Strecke von drei Kilometern) natürlich ordentlich zusetzt. Viel frustrierender war, dass wir auf einer geteerten Strasse entlang geführt wurden, ständig überholt von Kutschen, PKWs, Fahrrädern etc.. Zusammen mit der durchnässten Kleidung eine fiese Belastung für die arg gestresste Blutblase-Seele. Aaaaber wir haben es alle geschafft und gegen 16:00 hatten auch die letzten Blutblasen den Brocken bestiegen!
Die Blutblasen auf dem Brocken


Wie bestellt hatten sich Regenwolken und anfänglicher Nebel verzogen und belohnten uns mit einem wirklich fantastischen Panorama der Harz. Spätestes nach dem zweiten Radler in 1142 m Höhe waren Schmerzen und Strapazen vergessen und wir genossen nach mehr als 20 km Wanderung und insgesamt 900 (!) Höhenmetern unsere Stunde auf dem Brocken. Virág und Kai wagten sogar den respektablen Rückmarsch mit weiteren mehr als 13 km nach Wernigerode. Die restliche Blutblase-Gruppe fuhr hingegen mit der Dampflok! Trotz der recht langen Fahrt (1:45 h) war die Fahrt mit der Harzer Schmalspurbahn ein wirklich grandioses Erlebnis und absolut kurzweilig. Wir hatten direkt hinter der Lok einen eigenen nostalgischen Wagon nur für uns und die Streckenführung direkt durch den Nationalpark Harz überraschte uns mit wirklich schönen Landschaftsausblicken immer wieder auf neue.
Die Harzer Schmalspurbahn

Vom Bahnhof Wernigerode-Hasserode ging es dann noch in 15 Minuten Fußmarsch zurück zur DJH Wernigerode in der abends im Innenhof der Jugendherberge lecker gegrillt wurde.
Zusammen mit Nadine und ab ca. 21:00 Uhr auch Kai und Virág (wohlbehalten aber völlig erschöpft nun ebenfalls zurück) tranken wir einige Runden auf den Brocken: Groß, hässlich und gemein aber wir haben ihn geknackt! Tobi spielte grandios Gitarre und mit einigen Bierchen und Schnäpsen verbrachten wir einen wundervollen Abend und genossen unseren Erfolg. Kaum zu glauben, aber beim ersten ungarischen Song leuchteten plötzlich die Augen einer Frau am Nachbarstisch auf- die Ungarn sind immer und überall!
Abends in der DJH


Am nächsten morgen machte sich ein Teil der Gruppe nach gemeinsamen Frühstück auf den Rückweg. 12 Blutblasen erkundeten hingegen noch den Ort Wernigerode. Als erstes besuchten wir das Schloss Wernigerode dessen Geschichte bis ins 12. Jahrhundert zurück reicht. Es ist komplett restauriert und absolut sehenswert! Einziges Problem: Der Burgberg... aber was macht man nicht alles ;). Lohnen tut sich der anstieg auch mit Brocken-Schmerzen im Bein allemal! Danach erkundeten wir die Innenstadt Wernigerodes - ebenfalls wunderschön restauriert. Bei leckrem Eis und strahlendem Sonnenschein schlabberten wir ein Eis (u.a. stilecht den "Wernigerode Becher") mit Blick auf das Rathaus - Abschluss eines fantastischen Blutblase-Wochenendes in der Harz!

Fazit: Die Harz ist toll, wenn auch aus dem Ruhrgebiet etwas weit entfernt. Aber als echter Wanderer muss man den Brocken einfach einmal bezwungen haben. Viel Erfolg dabei!
In Werningerode

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen